Zeitmaschine Kind

Mutter mit Kind in der Natur

Dein Kind verändert sich schneller als du glaubst


Mütter können mit Veränderungen umgehen. Sie gehen flexibel auf neue Verhaltensweisen ein. Kinder verändern sich im Laufe des Lebens so schnell, dass man fast aus der Puste kommt, will man unbedingt Schritt halten, Wenn man dem Kind eines Morgens direkt nach dem Aufstehen einen Kuss geben will und es sich angewidert abdreht: „Bäh, Mama, du stinkst!“, dann weiß man mit Sicherheit zwei Dinge: Das Guacamole am Vorabend war lecker und die Zeit der willenlosen Zärtlichkeitenakzeptanz ist passé. Als sie Babys waren, durfte man sie noch anschlecken und knutschen, bis der Ehemann sich traurig und vernachlässigt in eine Ecke des Zimmers verzog. Und heute wägen die Sensibelchen genau ab, ob ein Kuss jetzt ihrem momentanen Bedürfnis entspricht oder nicht. Und das steigert sich mit den Jahren der Adoleszenz bis ins Unermessliche. Küsse von Mama sind doch voll peinlich. Ein Kuss scheint ab einem gewissen Alter aus 100 Prozent Salzsäure zu bestehen. Aber Liebeszuwendung kann man dann problemlos durch Taschengelderhöhung zeigen oder durch Ausgehverlängerung.

Sie wollen nicht mehr, dass man etwas über ihre Freunde weiß, während sie doch früher immer begeistert erzählten, wer sie geboxt hat oder wessen Auge sie erbeutet hatten. Und wehe, man möchte Anteilnahme an ihrem Gefühlsleben heucheln: Nach einem „Du kannst es mir doch sagen“ bekommt man ein pubertierendes „Ach, das verstehst du nicht!“ entgegengeschleudert.

Und während sie als zweieinhalbjährige Windelpupser begeistert die Wäsche zusammenlegten, als sie noch formbar und dabei sein wollten, werfen sie heute bestenfalls ihre Schmutzwäsche vor die Badezimmertür, damit diese wenige Tage später (aber nicht zu spät, denn „Ich brauch das T-Shirt aber ganz dringend“) wie von Zauberhand wieder sauber gefaltet im Schrank landet. Während man damals sofort hysterisch aufsprang, wenn aus dem Badezimmer: „Mama, ich bin fertig mit Kackaa!“ kam, um dem armen unbeholfenen Toilettenneuling würdevoll den Allerwertesten abzuwischen, so kann man heute nicht weit genug entfernt sein, wenn Mademoiselle sich im Badezimmer aufzuhalten geruht. Außer natürlich, wenn sie etwas aus dem jahrelang zusammengesparten Schatz von Mamas Schminkutensilien braucht und die Höflichkeit besitzt, ob der Eigennutzung zu fragen: „Brauchst du das alte Chanel Make-Up noch?“

Ist es nicht schön, wenn sie selbständiger werden? Wenn sie eigene Entscheidungen treffen? Man muss ihnen nicht mehr alles kochen. Nein, man darf jetzt ausgewählte Speisen kredenzen. Nicht zu fett und nicht zu mager, bloß kein Fleisch, Gemüse ist doch viel zu belastet, und wenn, dann nur gedünstet und nicht gekocht. Das bringt Abwechslung in die eingefahrene, ehemals gut funktionierende Küche. Der Saft ist kein Direktsaft, ach, Mamaaa.

Und gepriesen sei der Tagen an dem die Teppichratten laufen lernen und die Herumschlepperei ein Ende hat. Man muss sie nicht mehr den ganzen Tag herumtragen, kann sich den vorwurfsvollen Blick „Mein Rücken tut so weh“ verkneifen. Nein, man darf sie jetzt den ganzen Tag gemütlich im Auto herumfahren, von Musikschule zu Turnen, zu Nicole und dann wieder zu Jennifer, um sie von dort kurze Zeit später wieder abzuholen, weil sie sich verkracht haben, um sie dann doch wieder zum Schwimmen zu kutschieren, weil Fiona auch dorthin geht und man froh ist, wenn die Kinder was Sinnvolles tun und nicht unter den Brücken selbstgepflücktes Gras rauchen. Und das Allerschönste und Beste, das sich ändert, ist: Man kann den Kaffee endlich wieder WARM trinken.

Artikel entnommen aus

Mamas wissen mehr
Das schräge Fachwissen der Mütter 
Verfasser: Yvonne de Bark
ISBN: 978-3-8000-7455-6
 
12,5 x 20,0 cm
160 Seiten - 22 s/w-Abbildungen