Erziehungskiste

Familie mit Kleinkind in der Natur

Was sich in der Kindererziehung geändert hat


Also früher …

  • Haben wir den Kindern den Mund mit Seife ausgewaschen, wenn sie ein schmutziges Wort gesagt haben.

  • Haben wir die Kinder mit einem Jahr schon trocken gehabt, haben sie so lange sitzen lassen, bis was kam.

  • Wurde gegessen, was auf den Tisch kam. Und alles!

  • Haben wir die Kinder schreien lassen, das kräftigt die Lungen.

  • Haben wir die Kinder jeden Tag gebadet.

  • Haben wir sie ohne Abendessen ins Bett geschickt, wenn sie nicht gespurt haben.

  • Haben wir einfach Honig auf den Schnuller geschmiert, dann haben sie ihn schon genommen.

  • Haben wir Mohnsäckchen ins Bett gelegt, dann schliefen sie durch.

  • Hat man uns mit dem Gesicht zur Wand gestellt und den Rest der Stunde dort stehen lassen.

  • Haben wir den Rotzbengeln Kleinkindkleider angezogen, damit sie merken, dass sie noch klein sind.

  • Haben wir den Buben unter die kalte Dusche gesteckt, wenn er nachts geschrien hat, dann war er ruhig.

  • Haben wir ihn im Winter in Unterwäsche vor die Tür gestellt, damit er weiß, wie gut er es bei uns im Haus hat.

  • Haben wir gedroht, den Penis abzuschneiden, wenn er weiter daran herumspielt.

Mütter wissen, dass man heute nicht mehr richtig an den Kindern ziehen kann, weil es so viele unterschiedliche Erziehungsmethoden gibt und völlig unklar ist, welche die Richtige ist. Die heutigen Mütter bekommen von Pädagogen und Kinderpsychologen vorgehalten, wie verbesserungswürdig ihr Verhalten den Kindern gegenüber ist. Mütter werden angeprangert, wenn sie sich mit ihrem Kind freuen, weil sie dann nicht bereit seien, das Kind mit Strenge und Regeln auch mal weinend zu ertragen. Mütter werden verurteilt, dass sie das Kind zu ihrem Lebensinhalt machen und demzufolge zu nachgiebig sind. Mütter sind Opfer der Marketingattacken, die unseren Kindern den Zugang zu einer besseren Welt gewähren, weil Mütter – gepeinigt von schlechtem Gewissen – aber auch jeden Mist kaufen. So sind Mamis. Sie verwöhnen, sie betuddeln, sie knutschen mit schlabbrigen Mamaküssen, sie machen bestimmt alles falsch, was man falsch machen kann, aber so sind sie halt, die Mamas. Und Kinder? Mütter wissen, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, aber früher haben Kinder auch auf dem Feld gearbeitet. Und heute müssen sie eben auf das Kindermädchen aufpassen, die Zeitung reinholen, Kaffee machen, Telefonanrufer gekonnt, wenn auch nicht immer gewollt abwimmeln, Medikamente suchen und, bitteschön, ihre Sachen selbstständig in Ordnung halten.

Mütter wissen, dass die kleinen Schnuckelchen es ja nicht böse meinen, wenn sie sich einem Befehl verweigern. Nein, sie haben wahrscheinlich gerade eine schwierige Phase oder machen eine Versuchsreihe mit ihrem Therapeuten durch. Oder sie haben einen Pups quer, schwere psychische Probleme oder einen Kiesel im Schuh. Aber böse meinen sie es nicht. Und wenn das Kind dann doch eine „starke Hand“ braucht, dann schöpfen wir aus der Vielfalt des Angebots von Triple-P, Stiller Stuhl, autoritär, antiautoritär, Laissez-faire, STEP, Elterntraining, starke Eltern – starke Kinder, wir vertrauen dem Gordon’schen Familienrat und können schlimmstenfalls immer noch unsere Kapitulation öffentlich in Fernsehshows zu Markte tragen.

Mütter wissen, dass positive Botschaften wirksamer sind als negative. Es heißt: „Bleib auf dem Gehweg“ anstelle von „Geh nicht auf die Straße“. Das „nicht“ wird vom Unterbewusstsein übergangen und als nicht existent betrachtet. Denke jetzt nicht an einen rosa Elefanten. Siehst du? Da isser! Allerdings birgt diese Art der Kommunikation einige Schwierigkeiten. Formulieren wir doch mal, dass das Kind sich nicht bekleckern soll: „Kind, benutze den Löffel so, dass er die Nahrungsmittel direkt in den Mund befördert, indem du ihn gerade hältst und, ohne zu zögern, in die Öffnung in deinem Gesicht bewegst.“ Oder versuchen wir einmal die geschätzten göttlichen Gebote als positive Wertevorstellung zu formulieren. Aus „Du sollst nicht töten“ würde dann „Du sollst lebendig lassen“, aus „Du sollst nicht stehlen“ würde dann „Du sollst das Eigentum der anderen in Ruhe lassen“ und aus „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“ wird dann „Sag die Wahrheit oder sag nix“. Und „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus“ würde zu „Du sollst froh sein über das, was du hast, weil alles, was du nicht hast, hat jemand anders und der soll es auch behalten“.

Artikel entnommen aus

Mamas wissen mehr
Das schräge Fachwissen der Mütter 
Verfasser: Yvonne de Bark
ISBN: 978-3-8000-7455-6 
12,5 x 20,0 cm
160 Seiten - 22 s/w-Abbildungen
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